Projektidee
Human Spatial Performance Index
Ein konzeptioneller Bewertungsrahmen zur Beurteilung der räumlichen Zukunftsfähigkeit von Staaten
Warum?
Raumplanung ist messbar – aber wir messen sie kaum.
Internationale Rankings bewerten Staaten nach Wirtschaft, Bildung, Umweltqualität, Gesundheit oder Lebenszufriedenheit. Weniger sichtbar bleibt die Frage, wie gut ein Land seinen Lebensraum organisiert.
Gerade die räumliche Organisation beeinflusst viele andere Bereiche gleichzeitig: Bodenverbrauch, Mobilität, Infrastrukturkosten, Wohnkosten, Gesundheit, Klimaresilienz und die Belastungen zukünftiger Generationen.
Der HSPI schlägt vor, diese räumliche Dimension als eigenständigen Bewertungsrahmen zu betrachten. Er ersetzt bestehende Indizes nicht, sondern ergänzt sie um eine raumbezogene Perspektive.
Definition
Was meint räumliche Zukunftsfähigkeit?
Räumliche Zukunftsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit eines Gemeinwesens, begrenzte Fläche, Infrastruktur, natürliche Ressourcen und institutionelle Steuerung dauerhaft in Lebensqualität umzuwandeln, ohne ökologische, ökonomische oder soziale Lasten räumlich oder zeitlich zu verlagern.
Grundannahmen
Sechs Leitprinzipien
Raum ist endlich.
Boden kann nicht beliebig ersetzt werden.
Zeit ist räumlich.
Siedlungsstrukturen erzeugen kurze oder lange Wege.
Infrastruktur hat Lebenszyklen.
Kosten entstehen über Wartung, Sanierung und Ersatz.
Umweltlasten wandern.
Belastungen können über Importe ausgelagert werden.
Raum beeinflusst Gesundheit.
Luft, Lärm, Hitze und Bewegung sind räumliche Faktoren.
Zukunft ist eine Kostenfrage.
Heutige Entscheidungen prägen spätere Spielräume.
Framework
Der HSPI als Bewertungsrahmen
Der HSPI bewertet nicht nur Ergebnisse wie Lebensqualität, sondern auch den Aufwand, der dafür nötig ist. Entscheidend ist die räumliche Leistungsfähigkeit: Wie viel Boden, Infrastruktur, Energie, Zeit und globale Ressourcen werden benötigt, um ein gutes Leben zu ermöglichen?
Was der HSPI nicht ist
Kein reiner Umweltindex, kein Wohlstandsindex, kein Städte-Ranking, kein Smart-City-Label und keine fertige wissenschaftliche Methode. Er ist ein Vorschlag für einen Bewertungsrahmen.
Modell
Die zehn Dimensionen
Mögliche Messgrößen
Von der Idee zu Indikatoren
Boden
Neuversiegelung, versiegelte Fläche pro Einwohner, Siedlungsfläche und Flächenrecycling.
Infrastruktur
Straßenkilometer, Leitungsnetze, Sanierungsrückstand und Folgekosten pro Einwohner.
Mobilität & Zeit
Pendelzeit, Alltagswege, ÖV-Erreichbarkeit, 15-Minuten-Alltag und Stauzeit.
Ressourcen
Material Footprint, Energieverbrauch, konsumbezogene CO₂-Emissionen und Importabhängigkeit.
Zentrale Ergänzungen
Kostenwahrheit und globale Verantwortung
Viele räumliche Entscheidungen wirken kurzfristig günstig, erzeugen aber langfristige öffentliche Kosten. Der HSPI betrachtet deshalb nicht nur Errichtungskosten, sondern den Lebenszyklus der gebauten Umwelt.
Gleichzeitig berücksichtigt der Ansatz, dass wohlhabende Staaten Umweltbelastungen über Importe und globale Lieferketten auslagern können. Saubere Inlandswerte reichen daher nicht aus.
Beispielhafte Anwendung
Eine erste illustrative Einstufung
Die folgende Darstellung dient ausschließlich dazu, die Funktionsweise des vorgeschlagenen Index zu illustrieren. Sie ist keine wissenschaftlich validierte Bewertung.
Fallbeispiel
Österreich: hohe Lebensqualität, schwache Bodendisziplin.
Stärken
Gesundheit, Sicherheit, Wasser, Umweltqualität, Wohlstand und gute öffentliche Verkehrsangebote in Kernräumen.
Schwächen
Zersiedelung, Bodenverbrauch, Pendelabhängigkeit, Gemeindeegoismus und hohe Infrastrukturfolgekosten.
Die These lautet nicht, dass Österreich schlecht entwickelt ist. Präziser wäre: Österreich ist ein Hochqualitätsland mit räumlich ineffizienten Strukturen.
Offene Fragen
Was noch zu klären ist
Indikatoren
Welche Parameter sind international vergleichbar und zugleich räumlich aussagekräftig?
Gewichtung
Wie stark sollen Boden, Infrastrukturkosten, Gesundheit, Ressourcen und soziale Balance gewichtet werden?
Kostenwahrheit
Wie lassen sich Lebenszykluskosten über Staaten hinweg belastbar erfassen?
Verlagerung
Wie werden importierte Emissionen, Rohstoffe und Flächenansprüche berücksichtigt?
Ausgangslage
Wie können Staatsgröße, Topografie, Klima, Dichte und Föderalismus fair einfließen?
Validierung
Wie kann der HSPI empirisch getestet werden, ohne Scheingenauigkeit zu erzeugen?
Nächste Schritte
Vom Konzept zur Methode
Das Concept Paper 0.3 versteht sich als Ausgangspunkt. Mögliche nächste Schritte wären ein Methodikpapier, ein offener Datensatz, eine Sensitivitätsanalyse der Gewichtungen, regionale Fallstudien und eine öffentliche Diskussion mit Fachleuten aus Raumplanung, Ökonomie, Umweltforschung und Sozialwissenschaften.
Der HSPI versteht sich ausdrücklich als offenes Konzeptpapier und Einladung zur fachlichen Diskussion. Er erhebt in der derzeitigen Form keinen Anspruch auf wissenschaftliche Validität.
HSPI Research Initiative
Konzeptentwicklung: Tom Halwa